Le Havre, Weltkulturerbe

Glasfenster der Kapelle François 1.

Die Künstler des Wiederaufbaus

Mehrere Künstler haben am Wiederaufbau mitgemacht. Ihre Werke sind noch immer in der Stadt zu sehen.

Marguerite-Félicité Huré und die Glasfenster der Kirche Saint-Joseph

Als Glasmachermeisterin arbeitete Marguerite-Félicité Huré (1896-1967) seit 1919 mit den Malern Maurice Denis und Georges Desvallières an der Erneuerung der Kirchenkunst in Frankreich. Ihre Zusammenarbeit mit Auguste Perret führte zu zwei außergewöhnlichen Gebäuden, die Kirche Notre-Dame in Raincy (1923) und die Kirche Saint-Joseph in Le Havre (1957). Sie verwendete für die hohen vertikalen Fenster, die aus durchbrochenen Betonsteinen (Klaustras) bestehen, bunte Gläser mit geometrischen Motiven und Farben nach theologischen Wertvorstellungen und realisierte dadurch eine « Symphonie der Poesie ». Diese farbigen mundgeblasenen Gläser, wurden nach einem alten Verfahren aus dem 19. Jahrhundert erstellt. Sie weisen auf das Atelier d’Art Sacré, der Kirchenkunst hin. Man kann das Atelier von Marguerite Huré, von Auguste Perret erbaut, in Boulogne-Billancourt sehen. 

Die Halbreliefe 

Auf Initiative des Präsidenten der Genossenschaft François 1 wurden Halbreliefs auf Häuserfronten der wiederaufgebauten Wohnhäuser gesetzt. Diese Halbreliefs waren ein Versuch, die Geschichte Le Havres mit ihren glorreichen bedeutenden Einwohner aus den Bereichen des Handels, der Marine, der Kunst und der Industrie, wieder aufleben zu lassen.

Die Tageszeitung Le Havre Libre schrieb 1951 mit großen Titeln « die anonymen Inseln der Avenue Foch werden zu Häusern » und die Zeitung Paris Normandie 1952 : « die Geschichte Le Havres wird dank Skulpturen auf die Wohninseln des Wiederaufbaus aufgezeichnet.»

Henri-Georges Adam (1904-1967) - Das Signal

Die längliche durchbrochene Form der vom Bildhauer Adam 1955 angefertigten Skulptur aus Beton und Marmor, ist sein erstes monumentales Werk. Die Wirkung dieser Skulptur wird durch die umliegende Architektur und marine Landschaft noch hervorgehoben. Sie steht, gegenüber von Semaphor, Radar und Leuchttürmen, auf der Terrasse vor dem neuen Museum, als Verbindungstück zwischen Meer und Himmel; zum Meer gerichtet, wie ein Auge, dessen Pupille die Lichtreflexe des Wassers, das Kommen und Gehen der Wellen oder ein vorbeifahrendes Containerschiffs erblickt.

"Gestaltet für diesen Ort als Knoten und Bindung zwischen Architektur und Meer. […]Das Auge der Zeit. Unregelmäßiger Polyeder des Zufalls. Würfelspiel. Erstarrte Form sich bewegender Elemente in der bleibenden Zeit. Mobile Form der in der stehenden Zeit erstarrten Elemente. Bild des Museums, Bild des Hafens, Bild der Meeresungeheuer, Bild des Rettungsbootes. Tor zum Geist. Fahrt zu Planeten, in Boudins Himmel. Aufführung des Möglichen. Vorführung einer neuen Welt, in der die freie gemeißelte Form die Elemente um sie herum katalysiert, und dabei das Ambiente eines Ortes erschafft. Ich danke den Einwohnern Le Havres und auch Ihnen zu tiefst, dass sie diese Erfahrung erlaubt und es ausgeführt haben."

Brief H.G.Adams an Reynold Arnould, Konservateur des städtischen Museums von Le Havre

Der sehr gläubige Henri-Georges Adam baute das ‚Signal‘ nicht nur als Emblem einer Hafenstadt sondern wie ein gütiger Neptun. Er schuf eine spirituelle Dimension, zwischen Raum und Meer. In vielen französischen Städten kann man seine Werke sehen, wie zum Beispiel in Thonon La Grande Etrave, in Vichy Le Grand Cactus oder auch La Flèche im Kunstmuseums von Rouen.