Le Havre, Weltkulturerbe

Bombenabwurf über Le Havre

Die Bombenangriffe von 1944

Anfang September 1944 wurde der größte Teil der Stadt Le Havre zerstört. Nichts stand mehr (« table rase »). Vom Bahnhof aus konnten die Einwohner das Meer sehen. Es gab nur noch Asche und Staub. Le Havre, als Stadt der Märtyrer, musste zwölf Tage unter einem Bombenhagel aushalten bevor sie endlich befreit wurde.

 Die Landung der Alliierten fand an den normannischen Stränden statt, nur wenige Kilometer von le Havre, auf der anderen Seite der Seine. Paris wurde im August befreit aber Anfang September wartet Le Havre immer noch auf ihre Befreiung.

Schon im August gab die deutsche Armee den Befehl die Stadt zu evakuieren. Ohne Erfolg. Die Einwohner aus Le Havre gehorchten nicht und ein Großteil blieb zu Hause. Am 3. September schlugen die Alliierten eine Übergabe vor aber die deutsche Armee lehnte ab. Das erste britische Armeekorps unter General Crocker umzingelte daraufhin die Stadt.

Am 5. September wurde ein Bombenhagel über die Stadt abgeworfen. 348 britische Flugzeuge warfen 1820 Tonnen Sprengbomben und 30000 Brandbomben im Südwesten der Stadt ab. Das gesamte Stadtzentrum verschwand, nur noch das Denkmal stand.

Am 6. September starteten die Alliierten sechs Luftangriffe. 1458 Sprengbomben und 12500 Brandbomben wurden diesmal über den östlichen Teil der Stadt abgeworfen.

« Durch Zufall sitze ich um 18h10 am Fenster wo ich Menschen rennen sehe und schreien höre: «Sie haben eine Rakete abgeschickt, sie werden bombardieren! » ich schnappe meine bereitstehende Koffer, schließe die Tür ab und eile in den Keller. (…) Aus voller Wucht entbricht der Bombenhagel. Wir fragen uns, was aus uns wird. Plötzlich ist der ganze Keller in ein rotes Licht getaucht, eine Sprengung erschüttert das ganze Gebäude, Steine fliegen im Gang durch die Luft und ein dicker Rauch schnürt uns den Atem ab. Schwefliger Gestank mischt sich darunter. Ich denke dass meine letzte Stunde geschlagen hat. Eine Bombe war in das gegenüberliegende Haus gefallen, zehn Meter von meinem entfernt, alles war nur noch Schutt und Asche und drei Menschen lagen darunter.(…) Die ganze Straße ist nur noch ein Schutthaufen; die Feuerbrände nehmen zu. Fünfzehn Menschen sind im Keller des Wohnhauses Nummer 61 verschüttet. Bei mir zu Hause ist auch alles weg, es ist unvorstellbar. Alle Räume sind nun miteinander verbunden, es gibt keine Möbel mehr nur noch Backstein und Haufen aus irgendwelchen Materialien. In meinem Zimmer finde ich menschliche Reste. Die Zeit vergeht, das Tageslicht lässt nach und Jean ist immer noch nicht nach Hause gekommen….

Vom Meer ab der Rue Bellanger zum Rathaus, das gesamte Saint-Joseph Viertel und die ganze Rue de Paris entlang, alles liegt in Schutt und überall brennt es. Sicher ist ein Unglück passiert….» 

Françoise P.

 

« Als die englischen Truppen in Le Havre einmarschierten, wurden sie sehr kühl empfangen. Niemand hatte solche Bombenangriffe erwartet. Es gab nicht einen Einwohner der nicht einen oder mehrere seiner Angehörigen unter den Bomben verloren hatte. »

Docteur François Périer

«Es gab mehr als tausend Bombenalarme und wir hatten nur sieben oder acht Transporter, Motorpumpen und zwei Große Leitern. Am Schlimmsten war es im September. Wir arbeiteten zwölf Tage und zwölf Nächte ohne uns auch nur einmal ins Bett zu legen, hatten mit der Müdigkeit aber auch mit Alkohol, Wein oder Marie Brizzard gegen Depression zu kämpfen. »

Bernard Vatinel

 Auszug aus Mémoires vivantes, Ville du Havre, Juni 1994

 

Die letzten Bombenangriffe vom September 1944 haben die Einwohner aus Le Havre geprägt und sie stellen sich heute noch Fragen

« Niemand dachte dass so etwas hätte passieren können. Es gab praktisch nichts mehr! Viele Soldaten waren nach Deutschland zurückgefahren. Es gab nur Menschen die Volleyball am Boulevard François I. spielten… Die Einwohner, die geblieben waren, wollten nicht woanders hin…. Die Bombardierung dauerte zwei Tage, am Tag ging jeder seinen Beschäftigungen nach….So manch einen hat man niemals gefunden, NIEMALS […] Es war alles ein no man’s land. »

Simone Dombre

Recueil de témoignages, Ville du Havre-CERLIS-CNRS, 2009

 

 Zeugenberichte aus Recueil de témoignages, Ville du Havre-CERLIS-CNRS, 2009

Die zahlreichen Bombenangriffe auf die Stadt ab 1941 forderten 3126 Toten, zirka 12500 zerstörte Wohnhäusern und 80000 obdachlosen Einwohnern von denen 35000 alles verloren hatten.

Am 12. September kam die britisch-kanadische Armee in die Stadt. Die Deutschen kapitulierten.

Am 18. September kam die amerikanische Armee nach Le Havre und ließ sich am 16. Hafen nieder.

Am 7. Oktober kam General De Gaulle nach Le Havre und sagte zur Bevölkerung: « Le Havre wurde für Frankreich verwundet, aber lebt! Und sie wird wieder groß! »